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4. November 2008

Die Helden von Hessen

Da standen sie, die vier "Abtrünnigen", wie sie genannt werden, und erklärten gestern öffentlich, sie würden heute nicht für eine rot-grüne Minderheitsregierung unter der Vorsitzenden der Hessen-SPD Ypsilanti stimmen, die sich von der SED-Nachfolgepartei Die Linke unterstützen lassen wolle.

Verräter werden sie genannt. Und keine 24 Stunden später wurde bereits ihr Parteiausschluß beantragt. Innerhalb der SPD stehen nur diese Abweichler in der Kritik, Ypsilanti dagegen erhält Zuspruch von der Parteispitze auf Bundesebene.

"Das Verhalten dieser vier Genossen ist eindeutig parteischädigend" ist die Begründung für den Antrag auf Parteiausschluß. >Die Bundestagsabgeordnete Helga Lopez aus dem Lahn-Dill-Kreis erhob sogar indirekt den Vorwurf, das Quartett könnte bestochen worden sein.< wie Spiegel-Online schreibt.

Wer aber hat tatsächlich der SPD geschadet? Wer brachte die vier Abgeordneten in diese Situation? Das war die ehrenwerte Frau Ypsilanti, die bis zur Wahl versprach, auf keinen Fall mit den Linken zusammenzuarbeiten, um dann gleich nach der Wahl genau diese Option zu nennen. "Lügilanti" war nur eine Reaktion darauf.

Die vier Abweichler aber haben der SPD - auch wenn diese das vor lauter Haß auf Ministerpräsident Koch nicht sieht - einen großen Gefallen getan. Schon so wird es schwer, bei der demnächst anstehenden Bundestagswahl ein einigermaßen akzeptables Ergebnis zu erhalten. Vor dem Ypsilanti-Desaster hatte der SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering noch erklärt, auf Landesebene sei eine Zusammenarbeit ok, auf Bundesebene komme sie definitiv nicht in Frage. Das hört sich für den Wähler genau danach an, was Frau Ypsilanti vor der Hessenwahl versprochen und dann gebrochen hatte. Wer garantiert den Wählern, daß der nun einseitig für Ypsilanti Sympathie bekennende Müntefering nicht genau das gleiche Manöver nach der Bundeswahl vollziehen möchte?

Die vier Abweichler haben aber auch etwas anderes bewiesen: unglaublich viel Mut. Es wäre ein leichtes gewesen, sich nicht vor die Öffentlichkeit zu stellen und in der geheimen Wahl gegen das geplante Bündnis mit der Linken zu stimmen. Doch sie wählten den weitaus schwereren Gang vor die Öffentlichkeit. Und das, obwohl sie bereits nach der öffentlichen Ablehnung von Dagmar Metzger gesehen hatte, wie ihre Partei mit ihren eigenen Abgeordneten umgeht, die sich nicht der Machtbesessenheit ihrer Parteivorsitzenden kommentarlos beugen.

Und: sie haben Frau Ypsilanti ein noch größeres Fiasko erspart, wie es Heide Simonis in Schleswig-Holstein vor noch gar nicht allzu langer Zeit erleben mußte. Damals erntete Frau Simonis den ganzen Spott. Heute aber dreht sich alles nur um die vier Abweichler,
die Helden von Hessen.

11. März 2008

I am back

Liebe Leser, entschuldigen Sie, daß ich ein paar Monate untergetaucht bin.

Ich habe vor, den Blog wieder aufleben zu lassen.

Danke für Ihr Verständnis!

23. November 2007

Zivilcourage

Bezug nehmend auf eine unglaublich mutige 17-jährige, die sich 4 Angreifern auf ein 6-jähriges Mädchen gegenüber stellte (das müssen ja wahrlich Helden sein!):

Es ist sicherlich nicht einfach, in einer solchen Situation der erste zu sein, der eingreift und solch feigem Pack Paroli bietet, um einem wehrlosen Opfer beizustehen. Und wie man in diesem Fall gesehen hat, riskiert man dabei seine eigene Haut. Aber daß weitere Zeugen nicht wenigstens den Mut dieses "Ersten" zum Anlaß nehmen, sich ebenfalls den Angreifern zu stellen, bleibt wohl für immer ein Rätsel.

22. August 2007

Nationalhymne

Die halbe Nation kennt den Text der deutschen Nationalhymne nicht. Bei der WM wurde er als Untertitel eingeblendet, und trotzdem kamen die meisten nicht mit. Und in der Regel singt nur die halbe Nationalmannschaft mit.

Aber dann singt da noch einer: Jogi Löw, der Trainer der Nationalmannschaft, ein Österreicher.

Ein Österreicher macht uns vor, was die meisten von uns nicht können.
Hut ab vor Löw, peinlich für uns!

Zivilcourage

In heutiger Zeit ist das Wort Zivilcourage ein Fremdwort geworden. Das hat man gerade wieder in Mügeln gesehen. Aber das gilt auch für den ganz gewöhnlichen Alltag. Wenn etwas passiert, schaut jeder hin. Aber Hilfe leistet kaum jemand. Im Gegenteil behindern die Gaffer sogar noch die Rettungskräfte. Wenn aber Zeugen gesucht werden für ein Vorkommnis, hat`s keiner gesehen. (Außer Unfälle, die wiederum haben alle gesehen - obwohl sie sich später meist als sog. Knallzeugen herausstellen, also Zeugen, die erst aufgrund des Knalls hingesehen und das eigentliche Ereignis verpaßt haben.)

Schlimmer noch ist es, wenn einer Person Gewalt von einer anderen angetan wird. Wie letztens in der vollen Bonner Fußgängerzone, als einer etwa 80-jährigen Frau die Handtasche entrissen wurde. Sie stürzte zu Boden, keiner half ihr, und die Polizei sucht noch heute nach wenigstens einem Zeugen.

Was ist passiert in diesem Land?
Ist es Angst? Angst allein würde nicht rechtfertigen, warum keiner der Dame wenigstens aufgeholfen hat, nachdem sich der Täter entfernt hatte. Und würden sich eine Reihe von Zeugen findet, dann könnte sich der "Haß" des Täters auch kaum noch auf einen Einzelnen richten, hilft ihm also auch nicht mehr.
Ist es Faulheit? Aber wir sind doch sonst nicht so träge.

Was immer es ist: wir müssen es vertreiben!

20. April 2007

Liveschaltung

Bei einem späten Mittagessen um kurz nach 15 Uhr kann in einem deutschen Nachrichtensender live eine Belagerung des SEK Berlin verfolgt werden. Ein Sportschütze hatte zwischenzeitlich seine Tochter in seiner Gewalt und bereits zwei Polizeibeamte verletzt. Nun kann jedermann - im übrigen auch der Täter - im Fernsehen die Positionen der SEK-Beamten sehen.

Auch hier haben wir sie inzwischen: amerikanische Verhältnisse.

11. April 2007

Alice Schwarzer

Alice Schwarzer moderiert eine Sendung, und das nach Meinung verschiedener Medien sogar sehr schlecht.

Sie könne "nur voreingenommen implizieren" (Spiegel), "reihte (...) ein Einzelgespräch an das nächste und tat ausgiebig ihre eigene Meinung kund (FAZ). "Abfrageschau, Prüfung oder Verhör wäre möglicherweise eine passende Charakterisierung dieser Veranstaltung, bei der vor allem eine redet: Frau Schwarzer" (Süddeutsche). Einzig die Welt spricht von einer "aufgeweckten Moderatorin".

Na und? Hat jemand etwas anderes erwartet? Wieso schafft es eine solche Nachricht bei den Onlineauftritten aller genannten Medien an eine obere Stelle, mit Bild und großer Aufmachung? Gibt es wirklich nichts Wichtigeres? Oder wenigstens Interessanteres? Frau Schwarzer mit ihren "30 Jahre alten, durchaus fragwürdigen" Thesen (Spiegel) gehört nun wirklich nicht dazu.

2. April 2007

Killerschach

Als Protestaktion gegen das Verbot von Egoshootern spielen in Berlin zwei mit Megaphonen Bewaffnete Schach: mit lebenden Figuren, die blutüberströmt (mit Farbbeuteln und Kakao verziert) zu Boden fallen, wenn sie geschlagen werden.

Grandiose Satire!

21. März 2007

Rassismus

Heute gibt es im belgischen Sint-Niklaas ein Volksfests gegen Rassismus. Hintergrund sind drei Paare, die sich das Ja-Wort nicht vor einem schwarzen Standesbeamten geben wollten. Heute Abend lassen sich nun rund 500 Paare erneut trauen - als Zeichen gegen Rassismus.

Wie gerne wäre man nun in der Nähe, um selbst teilzunehmen. Es macht wütend, wie hinterwäldlerisch doch noch so viele Menschen sind. Und das Traurige ist, daß Rassismus wohl nie ausgerottet wird. Zu sehr lieben Menschen ihre Vorurteile. Das bedeutet aber nicht, daß der Kampf dagegen aufgegeben werden sollte.

Setzt ein Zeichen, wo immer es geht! Und stellt Euch schützend vor diejenigen, die beschimpft oder beleidigt werden - sei es aufgrund ihrer Hautfarbe, Rasse, Religion, Behinderung oder aus welchen Gründen auch immer!

23. Februar 2007

Science Fiction

Jeder kennt die alten Geschichten von riesigen Tintenfischen, die angeblich Schiffe angegriffen und Seeleute in die Tiefe gezogen haben. Die Phantasie von Jules Verne & Co. kannten keine Grenzen.

Doch es wird immer wahrscheinlicher, daß dieses "Seeungeheuer" riesigen Ausmaßes vor langer Zeit tatsächlich zumindest schon gesichtet wurden. Jetzt haben Fischer nahe der Antarktis einen sogenannten Koloßkalamar gefangen, die bis zu 14 Metern lang werden können. Der gestern gefangene wiegt immerhin knapp eine halbe Tonne!

Und wieder zeigt sich: das Meer hat noch unzählige Überraschungen für uns parat.

16. Februar 2007

Empanada

Ausnahmsweise mal ein Rezept meiner spanischen Schwiegermutter:

1.) Tomaten aus 1 kleinen Dose, 1 klein geschnittene Paprika und 1/2 klein geschnittene Zwiebel in einer Pfanne verrühren und ca. 15 Min. auf den Herd bei mittlerer Hitze stellen.
2.) Danach vom Feuer nehmen und 2 hart gekochte Eier winzig klein rein schneiden und umrühren.
3.) 10- 15 Minuten ziehen lassen.
4.) Inzwischen gekauften Blätterteig auf Blech ausrollen. (Den Blätterteig kann man natürlich auch selbst machen.)
5.) Pfanneninhalt verteilen und 2. Blätterteig obendrauf ausbreiten.
6.) Blätterteig an den Rändern zusammendrücken.
7.) 1 geschlagenes rohes Ei umrühren und obendrauf streichen.
8.) Mit Zahnstocher löcher in die obere Blätterteigschicht verteilen.
9.) 18- 20 Minuten im vorgeheizten Ofen backen (200 °C Ober- und Unterhitze; bei Umluft entsprechend weniger Temperatur.)

Variante:
unter 2.) zusätzlich 1 Dose Thunfisch reinmischen.

Guten Appetit!

15. Februar 2007

Ausnahmezustand im Rheinland

Die meisten Behörden öffnen erst gar nicht, Geschäfte schließen spätestens am frühen Mittag, nicht wenige Leute trinken noch vor
09 Uhr ihr erstes Bier zum Frühstück. - Ja, es ist wieder soweit: mit Altweiber beginnt die Blüte der 5. Jahreszeit.

Und alle sind "jeck", wie es hier so schön heißt. Ausgelassene Stimmung auf der Straße, volle Kneipen mit langen Schlangen noch am Vormittag, dazu die tollsten Kostüme: neben den gängigen Sträflingen, Piraten und Teufeln gibt es auch sehr viele selbstgemachte Verkleidungen. Total "in" sind in diesem Jahr Gemüse und Früchte. Allein die Zahl der Clowns scheint rückläufig.

Dazu die weitverbreitete Ansicht: "Karneval geht man doch nicht mit dem Partner auf die Piste!" oder wie ein anderer es formuliert: "An Karneval muß man moralisch flexibel sein." Nunja, der Kater kommt bekanntlich am folgenden Tag.
Bei manchen jedoch nehmen die Feierlichkeiten schon ein sehr viel früheres Ende: die ersten Schnapsleichen werden am Mittag eingesammelt, und das ist erst der Anfang für die an diesem Wochenende hunderte Male ausrückenden Rettungswagen.

14. Februar 2007

Valentinstag

Valentinstag, die kommerziell genialste Erfindung der Blumenläden: Jedes Jahr am 14. Februar sind alle Männer auf Kommando romantisch. Und alle Frauen zutiefst gerührt.

Alle? Nein, nicht alle. Ein kleines Dorf in Gallien ...
OK, Bonn liegt nicht in Gallien, aber ich komme mir alljährlich ein bißchen so vor. Wie immer ist meine Frau enttäuscht, daß sie von Freundinnen und Bekannten erfährt, was diese wieder alles Tolles zum Valentinstag geschenkt bekommen haben. Dabei weiß meine Frau doch genau, was ich vom Valentinstag halte. Lieber schenke ich ihr über das Jahr verteilt hin und wieder Blumen oder bedenke sie mit sonst einer Aufmerksamkeit. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wie gut, daß wir wenigstens gestern Abend Essen gegangen sind.

2. Februar 2007

Grumbeeren? Bitte was!?

Meine Frau fand den Namen süß. Aber warum sind die Bären krumm?
Vielleicht sollte ich an meiner Aussprache feilen.

Jedenfalls, um es klarzustellen: Grumbeeren sind Kartoffeln (oder Erdäpfel, wie man in Bayern sagt). Grumbeeren ist Pfälzer Dialekt, wird zuweilen auch Grummbeeren geschrieben. Und die Badenser essen übrigens Krum(m)beeren.